Bildvortragüber Langenholdinghausenin den 1940er und 1950er Jahren stieß auf breites Interesse
Mit Blick auf die weit mehr als 700 Jahre währende Dorfgeschichte ist die Zeit zwischen 1945 und 1965 eine recht kurze Epoche. Gleichwohl haben diese Jahre Dörfer wie Langenholdinghausen so umfassend verändert, wie es ganze Jahrhunderte zuvor nicht vermochten. Dies gilt für das Ortsbild, ebenso aber für die Bevölkerungsstruktur, das Erwerbsleben und die das Dorf umgebende Flur.
Am Anfang stand die Not der Nachkriegsjahre, der politische Neuanfang und der knappe Wohnraum, der mit Evakuierten aus den Städten und Ostvertriebenen geteilt werden musste. So kamen im November 1945 auf 398 ortsansässige Bewohner 92 „Evakuierte“, die zumeist durch Bombenangriffe ihre Wohnungen verloren hatten, dazu noch 27 ehemalige Wehrmachtsangehörige - z. B. Männer aus Litauen - denen die Rückkehr nach Hause für immer verwehrt war. In der ersten Hälfte des darauffolgenden Jahres – so heißt es in der damals geführten Schulchronik – „setzte dann der Strom der Ostvertriebenen ein, die von den Polen aus ihrer Heimat ausgewiesen worden waren“. Im September 1946 wohnten in den 40 Haushaltungen des Dorfes 120 Ostvertriebene und Evakuierte. Nachdem im Dorf seit 1938 kein einziges neues Wohnhaus mehr errichtet worden war, setzte ab 1950 eine rege Bautätigkeit ein: Bis 1965 entstanden insbesondere in den jüngeren Ortsteilen gut 35 Häuser, z. T. noch mit wiederverwendeten Baumaterialien und ausschließlich in Handarbeit. Auch das Ausheben der Baugruben und Fundamentgräben erfolgte allein mit Hacke und Schaufel. Die Landwirtschaft des Dorfes verzeichnete ab Mitte der 1950er Jahre eine bis dahin nicht gekannte Mechanisierungswelle: Während 1950 noch 9 Pferde, 7 Ochsen und 34 Kuhgespanne vor Wagen und Erntemaschinen gingen, waren Ende der 1960er Jahre 15 Traktoren und acht Einachsschlepper auf den Voll- und Nebenerwerbshöfen im Einsatz. Ganz neue landwirtschaftliche Strukturen mit drei ausgesiedelten Einzelhofstellen erbrachte die in den 1960er Jahren durchgeführte Flurbereinigung, dazu ein ganz neues Netz von Wirtschaftswegen und eine völlige Veränderung der Flur, die zuvor von kleinen Parzellen und einem vielfältigem Anbau geprägt war. Eindrucksvoll dokumentiert werden diese ereignisreichen Jahre durch eine Sammlung von mehr als 300 Fotos. Knapp die Hälfte davon steht dem Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte erst seit kurzem zur Verfügung. Fotografiert wurden die „Neuzugänge“ im Bildarchiv des Arbeitskreises von Rudolf Geller aus Siegen. Nachdem seine Wohnung in der Nähe des Bahnhofes am 2. Februar 1944 während eines Fliegerangriffs auf Siegen durch eine Luftmine unbewohnbar geworden war, fand er mit seiner Familie in Langenholdinghausen an der Olperstraße eine neue Unterkunft. Hier lebten die Eheleute Geller mit ihren drei Söhnen bis Ende 1954 - in zwei Räumen im Obergeschoss des Einfamilienhauses. Als leidenschaftlicher Fotograf dokumentierte Rudolf Geller in den folgenden Jahren das Dorf und das örtliche Leben in einer Vielzahl qualitativ hochwertiger Aufnahmen, die heute als wertvolle Zeitzeugen das von Ernst-Otto Ohrndorf geführte Ortsarchiv bereichern. Zur Verfügung gestellt wurden die Bilder dem Arbeitskreis Dorferneuerung von Eberhard Geller aus Gosenbach, dem Sohn von Rudolf Geller. Bei der ersten öffentlichen Vorstellung des „Bilderbogens“ unter dem Titel „ Als unsere Eltern und Großeltern noch Kinder waren … – Langenholdinghausen in den 1940er und 1950er Jahren“ war Eberhard Geller mit zugegen. Auch von älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern wurden die Bilder mit größter Aufmerksamkeit und vor allem von den noch jüngeren Teilnehmern mit Erstaunen verfolgt. Wer erinnert sich schon noch an den „Mühlengraben“ im Holzklautal, dessen Wasservorrat dereinst das Mühlenrad trieb? Und wer kann sich noch vorstellen, dass über die heute vielbefahrene Olper Straße dereinst die Kühe von der Weide ganz gemächlich zum heimatlichen Stall getrieben wurden? Aufgrund des großen Interesses an den Bildern und Ausführungen denkt der Arbeitskreis darüber nach, den Vortrag in absehbarer Zeit zu wiederholen.




















