Bürgerinnen und Bürger im Gespräch mit den örtlichen Bäuerinnen und Bauern
Wie steht es um die landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort? Was sind ihre Sorgen sowohl im Blick auf politische Entscheidungen als auch im Alltag? Was kann der Verbraucher tun, um die heimischen Höfe zu unterstützen? Welche Erwartungen haben wir an die Landwirtschaft? Diesen Fragen widmete sich jetzt eine Veranstaltung, zu der der Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte Langenholdinghausen gemeinsam mit dem Verein „Dorfgemeinschaftshaus Hollekusse“ e. V. eingeladen hatte.
Schon der sehr gute Besuch der Veranstaltung im gefüllten Saal des Dorfgemeinschaftshauses machte deutlich, dass die wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftspolitischen Bedingungen unter denen Bäuerinnen und Bauern derzeit arbeiten, nicht allein sie selbst, sondern auch die außerlandwirtschaftliche Bevölkerung betreffen. In Wort und Bild beschrieb Ortschronist Ernst-Otto Ohrndorf zunächst die Veränderungen, denen die Landwirtschaft im Dorf während der vergangenen Jahrzehnte unterworfen war: Im Jahr 1950 wurde noch von 64 der insgesamt 80 Familien im Dorf Großvieh gehalten. Seitdem hat sich die Zahl der Haushalte zwar vervielfacht, die Haltung von Kühen und Rindern findet dagegen nur noch in drei Betrieben statt. Mit dem Rückzug der Landwirtschaft aus den Häusern und „aus den Köpfen der Menschen“ verloren die Bewohner des Dorfes ihre bis dahin größte Gemeinsamkeit: Die Viehhaltung, Aussaat und Ernte hatten ihre Interessen, ihren Alltag und den Jahresablauf maßgeblich bestimmt. Dass die Landwirte im Dorf heute eine Minderheit sind, macht das „Bauer sein“ indes nicht immer einfach – gleichwohl erfüllen sie mit der Erzeugung von Lebensmitteln und der Pflege der Kulturlandschaft eine der wichtigsten Aufgaben in der Gesellschaft überhaupt. Mit Andrea Braach aus „Kiels“, Thilo Mittelbach vom Hof „Alter Berg“, Christian Löw vom „Löwenhof“ und Kurt Ohrndorf vom „Hof Heckseifen“ waren alle in „Hollekusse“ aktiven landwirtschaftlichen Betriebe im Podium vertreten. Schon die anschauliche Darstellung ihrer Höfe und deren bisheriger Entwicklung, die Beschreibung der Produktionszweige und ihrer jeweiligen Wirtschaftsweise bot den Anwesenden eine Fülle von Informationen, die bisher sicher nicht jedem bekannt waren. Zur Sprache kamen auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unter denen die Betriebe zu leiden haben, die nicht zuletzt durch die Politik bewusst geförderten Überschüsse in der Milchproduktion und die damit verbundenen, schon seit langem nicht mehr kostendeckenden Erzeugerpreise für die heimischen Betriebe. Zur Reduzierung von Überschüssen, zum Erreichen einer gerechten Bezahlung der Arbeit auf den Höfen und zur Sicherung einer umweltverträglichen Landwirtschaft führt an einer flächengebundenen Landwirtschaft kein Weg vorbei – darüber bestand bei den Landwirten und im Plenum Einvernehmen. Ausgeführt wurde, dass insbesondere im Blick auf die Umwelt die Wirtschaftsweise der hiesigen Betriebe weitestgehend den gesellschaftlichen Anforderungen entspricht. Gleichwohl leiden gerade unsere Betriebe durch immer neue Auflagen und Vorschriften massiv unter der andernorts betriebenen Wirtschaftsweise, die u. a. für zu hohe Nitratgehalte im Grundwasser verantwortlich ist. Zahlreiche Wortbeiträge befassten sich mit der Frage, wie der Verbraucher durch sein Verhalten die örtliche Höfe unterstützen kann. Zur Sprache kamen dabei die vorhandenen Möglichkeiten des Einkaufs auf den Höfen, ebenso aber die Anregung, im Einzelhandel bewusst auf weitgehend aus der Region stammende Erzeugnisse zuzugreifen – im Bereich der Milchprodukte auf solche der Marken Tuffi und Landliebe sowie der Upländer Bauernmolkerei. Eine Anfrage im Publikum bewies, dass viele der Anwesenden diesen Weg bereits beschreiten. Dass sich durch veränderte landwirtschaftliche Strukturen auch das Bild der Landschaft verändert, ist unabdingbar: Eine dörfliche Flur, in der nur noch wenige mit immer größeren Maschine tätig sind, sieht anders aus als eine Flur, mit deren Pflege vor 50 Jahren rund 250 Menschen beschäftigt waren. Und auch mit dem zeitweisen Geruch nach Gülle tat sich niemand schwer: „Das gehört zum Land, da weiß ich eben, dass ich noch lebe …“ – so ein Gesprächsteilnehmer. Dass bestimmte andere Zeitgenossen in Sachen „Respekt vor dem Eigentum anderer“ dringend „Nachhilfeunterricht“ brauchen – z. B. was das Betreten und Befahren von Wiesen betrifft – auch darin bestand zwischen den Landwirten und dem Publikum vollkommene Einigkeit.







