Das Interesse an der Mundart ist bei alt und jung vorhanden 

Itz würd platt geschwadd … – unter diesem Motto hatte der Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte jung und alt, Zugezogene und Alteingessesene zu einem Mundartnachmittag einzuladen. Mit diesem Angebot wagte sich der Arbeitskreis auf Neuland. Doch schon der erste Versuch wurde zu einem Erfolg. Das zeigte sich nicht allein am vollbesetzten Evangelischen Gemeindehaus am Alten Berg, sondern auch an den Reaktionen der Gäste und an deren Bereitschaft, mit zahlreichen Anekdoten, Gedichten und Vorträgen selbst zur Gestaltung des Nachmittags beizutragen. In einem einleitenden Sketch bittet eine junge Enkelin ihrem Großvater um Hilfe beim Erlernen der plattdeutschen Sprache. Der Großvater schlägt vor, mit den Ortsnamen zu beginnen, muss aber zu seinem eigenen Erstaunen feststellen, dass es allein für die hochdeutsche Ortsnamensendung „-bach“ insgesamt fünf plattdeutsche Varianten gibt, vom „-wich“ bei „Birlewich“ über „-mich“, „-bich“ und „-be“ bis hin zum recht hochdeutsch wirkenden „-bach“ bei „Helchebach“. Plattdeutsch ist also gar nicht so einfach!

Es folgten Ausführungen von Ernst-Otto Ohrndorf zur Geschichte des „Sejjerlänner Platt“ als einer hochdeutschen Mundart, zur Bedeutung dieser Mundart als Kulturgut, als Teil dörflicher Identität und als Contrapunkt zu einer gesellschaftlichen Uniformität und Gleichmacherei. Mundart schaffe Unterscheidung, Originalität und gleichzeitig Gemeinschaft und Vertrauen. Dabei könne gerade auch die Mundart für eine Mehrsprachigkeit stehen, durch die die Entwicklung eines Kindes gefördert und keineswegs behindert werde – so Ohrndorf. Durch das mit der Sketchfolge „Szenen aus dem Eheleben“, Lied- und Textbeiträgen abwechslungsreich gestaltete Programm führten Annemarie Gieseler und Kurt Pfennig. Zwischendurch bestand die Möglichkeit zu gemeinsamen Gesprächen und zur Stärkung bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Danach erfuhren die Gäste Wissenswertes über die Herkunft des Wortes „Magolves“, die Siegerländer Bezeichnung für den Eichelhäher. Schon in einer Beschreibung aus dem 13. Jahrhundert - so Kurt Pfennig in seinem interessanten Beitrag - wird der geschwätzige Vogel „Markolfus“ genannt, dies in Anlehnung an eine schon vor über 1000 Jahren in ganz Europa kursierende Geschichte von einem wortgewandten und streitbaren Bauern namens Markolf. Als Gegenspieler von König Salomon wurde der schlaue und listige Maulheld auch noch im 16.Jahrhundert gerne von Komödianten auf Volksfesten dargestellt. Bis heute ist er im Siegerland der Namenspatron für den frechen und bunten Eichelhäher geblieben. Anschließend nahmen vier jüngere Gäste die Gelegenheit wahr, vor einem sachkundigen Auditorium und einem einer mit „Ortshonoratioren“ hochkarätig besetzten Prüfungskommission die „dörfliche Reifeprüfung“ abzulegen, einer Art lokaler Gegenreaktion auf das jetzt eingeführte Zentralabitur. Mit gutem Erfolg wussten sich die Absolventen in den Prüfungsgebieten Flora und Fauna des Siegerlandes, Werkzeuge und Gegenstände aus der Land- und Hauswirtschaft, Allgemeinbildung des Siegerländers oder im Spezialgebiet Flur- und Hausnamen in „Hollekusse“ zu behaupten. Bei „plattdeutschen Schlagern“ und beim Singen traditioneller plattdeutscher Liedern mit Akkordeonbegleitung kamen schließlich auch die Sangesfreunde auf ihre Kosten. Die Erfahrungen mit diesem ersten Mundartnachmittag sind für den Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte sicher Grund genug, um eine ähnliche Veranstaltung folgen zu lassen.

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Anschrift

Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte Langenholdinghausen
Holdinghauser Str. 55a
57078 Siegen