Heimatkunde, Kultur und Geselligkeit in einem bunten Programm vereint
Zwei Entwicklungen sind auch in den ländlichen Ortschaften des Siegerlandes erkennbar: Der Bezug vieler Menschen zum Dorf als ihrem unmittelbaren Lebensraum nimmt ebenso ab wie die Wertschätzung des kulturellen Erbes vor Ort, der Sitten und Bräuche und nicht zuletzt der Mundart – allesamt wichtige Bestandteile gelebter kultureller Vielfalt. Wie versucht werden kann, dem entgegenzuwirken, bewies jetzt ein „Heimat- und Mundartnachmittag“, zu dem der Verein Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte und der Verein Dorfgemeinschaftshaus Hollekusse e. V. gemeinsam eingeladen hatten.


Mit der Entscheidung, die Begriffe „Heimat“ und „Mundart“ im Titel der Veranstaltung gleichgewichtig nebeneinander zu stellen, hatten sich die Verantwortlichen durchaus schwergetan, betrachten doch mittlerweile etliche Zeitgenossen die Mundart eher als „provinziell“ und „aus der Zeit gefallen“. Wer ausschließlich Hochdeutsch spricht, mag süd- und norddeutsche Dialekte noch als „interessant“ empfinden, beim „Siegerländer Platt“ dagegen winken nicht wenige ab.
Um den Reiz und die verbindende Wirkung auch der Siegerländer Mundart zu erfassen, ist deren Beherrschung natürlich von Vorteil. Aber auch der oder dem „allein Hochdeutschsprechenden“ kann sich die Ausdrucksstärke der heimischen Mundart leicht erschließen, man muss ihr nur vorurteilsfrei begegnen. Dafür bot der Heimat- und Mundartnachmittag die Gelegenheit und manch passenden Beitrag:
Unter dem Titel „Plattdeutsch ist gar nicht so einfach …“ ging es in einem Sketch um die mundartliche Version der Ortsnamen, insbesondere um jene, die mit der Endung „-bach“ enden. Und das ist schon verzwickt: Gibt es doch im „Siegerländischen“ hierfür gleich mehrere „Übersetzungen“ – von „- wich“ („Birlewich“ für Birlenbach), über „-bich“ („Fürschbich“ für Feuersbach) und „-mich“ („ob dr Allmich“ für Allenbach) bis hin zum kurzen „-be“ („Dreisbe“ für Dreis-Tiefenbach / „Feschbe“ für Niederfischbach). Und da ist dann auch noch Hilchenbach, das im Plattdeutschen „Helchebach“ heißt und wo es somit bei der „hochdeutschen“ Endung „-bach“ bleibt.
Ob nun ein „Strohwitwer“ von seinen Erfahrungen mit der Kochkunst berichtete, ein Handwerker von seinem Missgeschick beim Bau eines Hühnerstalles erzählte oder ein anderer „Schauspieler“ beim Bemühen, eine brennende Kerze zu löschen gleich in fünf verschiedene Rollen schlüpfte, alle Darbietungen fanden beim Publikum bestens Anklang.
Zwischen heiteren und kurzweiligen Beiträgen kam aber auch die „Heimatkunde“ nicht zu kurz: Ein interessanter Bildvortrag vermittelte Wissenswertes zu verschiedenen Bauwerken und Objekten, die es in dieser Art nur in Langenholdinghausen gibt – zu „Möllersch Bienenhaus“, zu „Langebachs Schütze“ und zum Backes am „Zinnwald“. Mittels einer von Robin Ohrndorf erstellten Videosequenz konnte das Publikum das Backen von Brot und Kuchen im Backes „miterleben“, vom Vorheizen des Steinofens über das Einschießen der „Teiglinge“ bis zur Abgabe der Brote am Verkaufsstand an die Kundschaft.
Bei der Möglichkeit zum „Erwerb der dörflichen Reife“ war das Publikum gefordert, galt es doch die plattdeutschen Begriffe für mancherlei in Bildern dargestellte Tiere, Pflanzen, Werkzeuge oder Situationen zu bestimmen – ein nicht immer einfaches Unterfangen. Dass der Eichelhäher hierzulande ein „Magolwes“ und das Schälmesser ein „Knippche“ ist, dürfte jeder Siegerländer wissen. Dass aber der Froschlaich in der örtlichen Mundart „Hoggegegösch“ und das Apfelkerngehäuse „Mengsel“ heißt und dass derjenige, der über etwas nachdenkt „prackeziert“, war dann doch dem einen oder anderen neu.
In weiteren „Prüfungsgebieten“ ging es um die dörfliche Flur oder die althergebrachten Hausnamen und damit um Kenntnisse, die all jene miteinander verbindet, die sich für den Ort als ihre Heimat interessieren.
Bei Kaffee und dem von Vereinsmitgliedern selbst gebackenen Kuchen klang die Veranstaltung aus – mit Gesprächen der Teilnehmer untereinander, bei denen alte Kontakte aufgefrischt und neue geknüpft werden konnten. „Eine gelungene Veranstaltung“ – so das Lob der Gäste an die Helferinnen und Helfer der beiden ausrichtenden Vereine.

Anschrift

Arbeitskreis Dorferneuerung und Dorfgeschichte Langenholdinghausen
Holdinghauser Str. 55a
57078 Siegen

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